Lothar Romain:

Eröffnungsrede anlässlich der Ausstellung

"Jan Meyer-Rogge: Skulpturen" - 4.4.2003

im Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen

 

 

 Michael Fehr:

Lebendige Arbeit und plastische Form

zu Jan Meyer-Rogge's "Aufgebäumtem

Stamm" und anderen plastischen Arbeiten

 

 

 Sigurd Rompza:

"Zu den Stahlplastiken von Jan Meyer-Rogge"

Eröffnung der Ausstellung im Museum
gegenstandsfreier Kunst, Ottendorf 2011

Druckansicht

 

Gezeiten sind ein auf physikalische Gesetze zurückzuführendes Phänomen. Die Anziehungskraft
von Mond, aber auch von der Sonne bestimmen das auflaufende und ablaufende Wasser, das
wir Ebbe und Flut nennen. Aber Gezeiten sind viel mehr als der sichtbare Ausdruck der Wirkung
von Schwerkraft, wie sie von anderen Himmelskörpern auf unsere Erde einwirkt: Gezeiten prä-
gen das Leben der Fauna und Flora samt des Menschen an den Küsten, Gezeiten sind Naturer-
eignisse und als solche längst schon auch zu Metaphern des Lebens geworden. Ihr Wechsel als
Ausdruck nicht nur des individuellen Lebenslaufes, sondern auch als eine Vorstellung von Ge-
schichte: das gleichmäßige Auf und Ab und die Wiederkehr des Ähnlichen. In den Gezeiten
gibt es einen Moment, den man Stillwasser nennt. Jetzt sind die gegeneinander wirkenden
Kräfte von Ebbe und Flut gleich stark, so daß sie sich für eine kurze Weile aufheben, ehe sich
dann die eine oder andere Gezeitenform durchsetzt.

„Gezeiten“ heißt der Titel einer der hier ausgestellten Werkgruppen von Jan Meyer-Rogge,
und „Stillwasser“ hieß ein früherer Arbeitszyklus, an den die „Gezeiten“ ausdrücklich anknüpfen.
Die Titel wollen selbstverständlich keine Naturbeschreibung ankündigen, aber sie sind doch
mehr als nur eine schöne Metapher.